In den vergangenen Tagen ist mir der Gedanke gekommen, dass das griechische Schuldenproblem und Trading eine Gemeinsamkeit haben: Wenn ein Investment ins Minus läuft, dann muss man irgendwann die Notbremse ziehen. Beim Trading kommt der Stop-Loss zur Geltung. Im übertragenden Sinn haben Merkel und Sarkozy ein sehr großes Investment laufen. Und das ist dummerweise kräftig ins Minus gelaufen. Wiederholt betonte die deutsche Bundeskanzlerin daher, dass sie kein Stop-Loss setzen könne, da die Folgen unkalkulierbar seien. Beim Trading ist das Weglassen eines Stop-Loss ein ebenfalls gefährliches Unterfangen. Ich bezweifele allerdings, ob der fehlende Stop-Loss für das deutsche “Investment” sinnvoll ist.
Gerne arbeitet Merkel dabei mit Worthülsen, die alles offen lassen. Würde man die Bevölkerung in der EU fragen, dann würde mit großer Wahrscheinlichkeit ein Stop-Loss verlangt werden. Denn die Folgen aus dem Griechenlandproblem sind schon heute unkalkulierbar – unabhängig davon, ob Griechenland in der EU bleibt oder nicht.
Nehmen wir an, Griechenland bleibt in der EU, dann muss geklärt werden, wie die am Boden liegende Wirtschaft wieder aufgebaut werden kann. Denn solange der Euro die Währung Griechenlands bleibt, konkurrieren griechischen Unternehmen mit starken Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Österreich oder den Niederlanden. Eine eigene, abgewertete Landeswährung (Drachme) jedoch, könnte die schwächere Produktivität des Landes ausgleichen. Ich bin der festen Überzeugung: Regiert in Griechenland weiterhin der Euro, dann wird die Wirtschaft für lange Zeit am Boden bleiben.
Aber wie sieht es aus, wenn Griechenland in der EU bleibt und ein Schuldenschnitt (haircut) erfolgt? Freuen sich dann nicht alle anderen Schuldenstaaten (Portugal, Spanien oder Italien) auf ihren eigenen “Haarschnitt”? Wenn man in diese Richtung denkt, dann ist der Anreiz für eine Schuldenreduzierung nahezu Null. Denn die Gleichberechtigung der EU-Staaten würde zwingend einen Schuldenschnitt für alle Problemländer vorsehen.
Ich vermute, dass der Euro uns in den nächsten Jahren als Problem erhalten bleibt. Für das kurzfristige Trading im VTT sollten sich daraus viele Chancen ergeben. Denn Angst und Unsicherheit bringt Dynamik in die Märkte. Das ist zwar schlecht für Investoren – aber gut für kurzfristiges Trading.



