Einführung in das Volumen-Trading

Inhalt
1. Vorteile der Volumen-Analyse
2. Die Trendanalyse unter Volumeneinfluss
3. Die relative Höhe des Volumens mit dem VMA bestimmen
4. Die Wirkung einer Volumenwelle
5. Wellendiagnose mit dem Ord-Volumen
6. Widerstands- und Unterstützungslinien auf Basis des Volumenprofils
7. Fazit: Was Sie beachten sollten

Die Hauptaufgabe ist die Untersuchung des Kursverhaltens unter dem Einfluss des Handelsvolumens. Dadurch ist es möglich, ein wenig mehr Einblick in die Angebot- und Nachfragestruktur zu erhalten. Es gilt stets die Grundregel:
Der Preis kann nicht weit laufen, ohne dass das Volumen die Richtung bestätigt.

Alle nachfolgenden Techniken und Indikatoren sind so ausgewählt, dass mehr Verständnis für die Kursbewegungen erzeugen.

1. Vorteile der Volumen-Analyse

Das typische Chartbild mit Schlusskurs, Hoch, Tief und Eröffnung enthält vier Variablen, die den Kursverlauf darstellen. Es zeigt jedoch nicht wie der Kursverlauf entstanden ist. Wichtige Fragen wären: Wie viele Marktteilnehmer waren beteiligt, und wie viel wurde gekauft oder verkauft? Erst durch die fünfte Variable, das Volumen, wird das Bild vollständiger.

Kurse unter geringem Volumen neigen zur Zufälligkeit

Jeder, der sich den Chartverlauf von volumenschwachen Pennystocks angeschaut hat, der weiß, wie zufällig manche Verläufe geschehen. Wenn der Kursverlauf mit zu wenig Volumen geschieht, dann verliert jede Chartanalyse an Aussagekraft. Charts mit wenig Volumen neigen zur Zufälligkeit. Es ist deshalb ratsam, nur Charts einer Volumen-Analyse zu unterziehen, die eine hohe Liquidität zeigen.

Für jede saubere Chartanalyse wird also immer Volumen benötigt. Ein gutes Beispiel bietet die Candlestick-Technik. Die einfache Formation eines Hammers in einer Abwärtsbewegung ist ein potentielles Umkehrsignal. Aber die Bedeutung eines Hammers mit hohem Volumen steigert die Wirkung des Candlestick-Musters erheblich. Erst dann wird der Hammer zu einem „Hammer“.

2. Die Trendanalyse unter Volumeneinfluss

Ein gesunder bullisher Trend zeigt besondere Merkmale. Er hat ein ansteigendes Volumen, kombiniert mit einem Ansteigen des Kurses. Dazwischen gibt es Rücksetzer, die mit vermindertem Volumen einhergehen. Das ist der Rhythmus des gesunden Trends.
Die Aussagen gelten auch für bearishe Märkte, nur dass dann die Abwärtsbewegung das erhöhte Volumen führt.

Eine plötzliche Volumenspitze deutet auf eine hohe emotionale Beteiligung der Marktteilnehmer hin. Außerordentliches Volumen trägt das Potential einer Kursumkehr in sich.

Ein müder Preisfortschritt ohne Volumen indiziert einen Interessemangel der Marktteilnehmer. In einem solchen Fall kann es schnelle Umkehrbewegungen geben. Der Markt ist nur schwer prognostizierbar.

So verhält sich der Kurs unter Volumeneinfluss:

1. Steigendes Volumen unter einen ansteigenden Preis mit zwischenzeitlichen Rücksetzern. Die Rücksetzer haben vermindertes Volumen. Dies ist ein gesunder Aufwärtstrend. (vice versa für den Abwärtstrend)

2. Steigendes Volumen unter einem gleichbleibenden Preis. Der Markt hat ein distributives Verhalten. Eine mögliche Umkehr wird vorbereitet.

3. Ein schwaches Volumen und ein müder Kursfortschritt. Ein geringes Angebot trifft auf eine geringe Nachfrage. Der Markt ist gekennzeichnet durch technische Fehlsignale und schnelle unbedeutende Umkehrmuster.

Das Grundprinzip an der Börse ist, dass sich die Kurse entsprechend Angebot und Nachfrage bewegen. Bezogen auf das Volumen heißt das: Die Nachfrage steigt, in dem mehr Volumen in die Aufwärtsbewegung kommt, und das Angebot steigt, wenn mehr Volumen in die Abwärtsbewegung kommt.
Deshalb kann eine Grundregel aufgestellt werden: „Der Kurstrend kann nicht weit laufen, ohne dass der Volumentrend die Richtung bestätigt.“
Für das Trading bleibt die Aussage von besonderer Bedeutung, da sich die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöht, wenn ausschließlich in Richtung des Volumentrends handelt wird.

In einem Aufwärtstrend gibt es wenige Widerstände aber viele Unterstützungen

Innerhalb eines Volumentrends gelingt das Brechen von Widerständen bzw. Unterstützungen in Trendrichtung besonders leicht. Das ist ein Merkmal jedes Trendmarktes. Deshalb sollte vor jeder Prognose eine Trendbestimmung vorgenommen werden.

Die Stärke der Kurswellen mit dem Volumen interpretieren

Im nachfolgenden Chart sind die Hochs und die Tiefs mit Trendlinien verbunden. Zum Vergleich sind auch die Hochs und Tiefs des OBV-Indikators (On-Balance-Volume) verbunden. Aus der Neigung der Trendlinien, ist die Stärke bzw. Schwäche einer Kurswelle zu erkennen.


Bild 1: DAX-Tages-Chart mit gekennzeichneten Hoch und Tiefs. Als Indikator ist der OBV aufgeführt. Sowohl im Chart als auch im OBV ist ein MA50 eingezeichnet.

Beispiel für eine starke bullishe Divergenz:
Der Kursverlauf zwischen Hoch 4 und Hoch 5 zeigt eine annähernd waagrechte Trendlinie. Somit besitzen beide Hochs ähnliche Kurshöhen. Im Vergleich dazu differieren die Hochs H4 und H5 beim OBV-Indikator deutlich. Die verbindende Trendlinie ist steil nach oben gerichtet. Das bedeutet die Kurswelle von L3 bis H5 führte sehr viel Volumen. Es ist anzunehmen, dass sehr viele Käufer in den Markt aktiv waren. Insgesamt entsteht daraus eine bullishe Divergenz – ein starkes Long-Signal.

3. Die relative Höhe des Volumens mit dem VMA bestimmen

Die Volumen-Analyse eignet sich vorzüglich für den kurzfristigen Trading-Zeitraum. Eine Kurswelle baut sich aus einzelnen Candlesticks zusammen. Eine einzelne Candlestick ist weniger aussagekräftig. Bedeutender sind Candlestick-Formationen mit zwei oder mehr Candlesticks. In Kombination mit dem Handelsvolumen lassen starke und schwache Welle diagnostizieren.
Als hilfreich hat sich ein kurzfristiger Moving Average des Volumens (VMA) herausgestellt. So ist es möglich starkes und schwaches Handelsvolumen zu unterscheiden.

Das VMA sollte dabei schnell, aber nicht zittrig eingestellt werden. Als geeignet hat sich folgende Formel erwiesen.
VMA= EMA(EMA(Volumen,3),3) oder EMA(Volumen,5)
EMA = Exponential Moving Average

Im Prinzip sind aber andere kurzfristige Einstellungen möglich. Die Ergebnisse ändern sich nur geringfügig.

4. Die Wirkung einer Volumenwelle

Als Grundannahme für die Volumenwelle gilt:
„Eine starke volumen-angetriebene Welle führt zu einer zweiten nachfolgenden Bewegung in dieselbe Richtung.

Für eine Untersuchung wurden folgende Definitionen festgelegt (Volumenwelle in Aufwärtsrichtung):

– Eine Volumenwelle ist eine Welle, die mindestens drei volumenstarke Candlesticks in die gleiche Richtung besitzt. Als Maßstab für erhöhtes Volumen dient der VMA.
– Ein Up-Break ist geschafft, wenn nach 261% Fibonacci-Time-Extension der Kurs über der Widerstandslinie liegt. Die Fibonacci-Time-Extension basiert auf dem Start und das Ende der erkannten Volumenwelle.
– Ein Fehlausbruch (Falsebreak) wird hier definiert, wenn der Kurs nach der Konsolidierung die Widerstandslinie wieder berührt, aber nach 261% Fibonacci-Time-Extension unter der Widerstandslinie liegt.
– Ein Versager wird definiert als Kursbewegung, wo der Kurs weiter zurück fällt, und zuerst den Beginn der Volumenwelle berührt. Eine Bewegung wird auch dann als Versager gezählt, wenn anschließend die Kurse in die gewünschte Richtung gehen.
– Die Regeln gelten in umgekehrter Form für Volumenwellen in fallender Richtung.

Eine empirische Untersuchung des Dax-Futures auf Tagesbasis hat folgende Ergebnisse als Auswirkung einer Volumenwelle ergeben.

Zeitraum von 6.2002 bis 12.2007

Gesamtanzahl der Volumenwellen: 87
Versager: 25 (29%)
Fehlausbruch: 22 (25%)
Break: 40 (46%)

Die Wirkung der Volumenwelle ist erkennbar, wenn man bedenkt, dass nach der Konsolidierung (kurzer Rücksetzer) zu 71% wieder die Widerstandslinie berührt wurde.

Nachfolgend ist ein Beispiel für die Volumenwellen aufgeführt.

Bild 2 Darstellungen von Volumenwellen beim Tages-Chart der Aktie von Allianz

Das Bild 2 zeigt die Volumenwellen in ihre Nachwirkung. Im Chart sind insgesamt 7 Volumenwellen eingezeichnet. Nur die fünfte Welle, Mitte November, ist eine Abschlusswelle. Alle anderen führen nach der Konsolidierung wieder zum vergangenen Tief bzw. darüber hinweg. Das bedeutet, dass eine Volumenwelle eine gewisse Vorhersage ermöglicht und somit handelbar ist.

Plötzliches erhöhtes Volumen im Kursverlauf (Volumen-Spitzen)

Volumen-Spitzen sind interessante Untersuchungsobjekte. Auf der einen Seite zeigen sie das emotionale Engagement der Marktteilnehmer, und auf der anderen Seite führen sie häufig zu Umkehrbewegungen des Marktes. Volumen-Spitzen wirken wie Sicherheitsgurte im Auto. Zieht man mit sanfter Kraft am Gurt (normales Volumen) kann man ihn leicht verlängern. Ein Rucken am Gurt (analog zur Volumen-Spitze) führt zum Stop der Bewegung.
Volumen-Spitzen führen jedoch nicht zwingend zur Umkehr des Marktes, sie erzeugen häufig nur eine Verschnaufpause. Die zukünftige Bewegung des Marktes wird nach der Volumen-Spitze durch neue Marktteilnehmer definiert. Es kommt darauf an, wie viele Käufer und Verkäufer anschließend in den Markt kommen.


Das Bild 3 zeigt die Allianz-Aktie mit eingetragenen Volumen-Spitzen.

Bild 3 zeigt die Volumenspitzen und wie sie die Aktie beeinflussen.

Über die Anzahl und die Lage der Volumenspitzen im Kursverlauf lässt sogar der Kurschwung analysieren. Selbst bei starken Kurswellen gibt es meist nur zwei bis drei Volumenspitzen in dieselbe Richtung. Dann erschöpft sich die Kraft der Welle. Eine Umkehrbewegung kündigt sich bald an.

5. Wellendiagnose mit dem Ord-Volumen

Einen sehr interessanten Ansatz, um die Kraft einer Bewegung zu messen, stammt von Tim Ord. Er unterteilt den Markt in Wellen und berechnet für jede Welle das aufgewendete Durchschnittsvolumen. Wenn also eine Welle z.B. aus 8 Candlesticks besteht, dann addiert er das Volumen der Einzel-Candlesticks und teilt es dann durch 8. Den ermittelten Durchschnittswert nennt er Ord-Volumen.

Ord-Volumen = Summe des Volumens einer Welle / Anzahl der Candles pro Welle

Das errechnete Ord-Volumen wird herangezogen, um die Wellen untereinander zu vergleichen. Wie auch schon bei den oben beschriebenen Volumenwellen kommt der volumenstarken Welle eine besondere Bedeutung zu.

Widerstände und Unterstützungen diagnostizieren

Dort wo eine Welle eine Widerstands-, bzw. eine Unterstützungslinie findet, entsteht ein Ansatzpunkt für die anschließende Analyse. Diese Welle zur Linie ist der Vergleichsmaßstab. Die anschließende Konsolidierung erzeugt dann die Vergleichswerte.
Tim Ord definiert ein Einstiegssignal, wenn eine Verminderung des Volumens um ca. 50% vorliegt.

Hier ist ein Beispiel wie das Ord-Volumen gedeutet werden könnte.

Bild 4. Erste Schwäche einer Aufwärtsbewegung

Die erste Welle mit dem Ord-Volumen von 2,2 ist der Maßstab für die nachfolgende Konsolidierung. Für eine bullishe Konsolidierung sollte der Wert unter 2,2 liegen. Es folgt eine Konsolidierung jedoch mit 3,5. Dieser Wert ist so hoch, dass er die 2,2 um 59% übersteigt. Ein starkes Warnsignal für die Fortsetzung der Aufwärtsbewegung. Die letzte Welle mit dem Ord-Volumen von 2,0 zeigt nochmals Schwäche. Eine zukünftige Umkehr ist zu erwarten.

Nachfolgend sieht man ein praktisches Beispiel für die Analyse mit dem Ord-Volumen.

Bild 5: Allianz mit Ord-Volumen

In Bild 5 kann man die Abwärtsbewegung seit Anfang Oktober verfolgen. Die erste Volumenwelle erreicht ein Ord-Volumen von 3,57. Die Korrektur mit 3,01 fällt etwas kleiner aus. Soweit ist die Abwärtsbewegung intakt, und man kann mit einer Folgewelle rechnen. Diese kommt dann auch gleich zum Novemberbeginn. Es entsteht eine weitere Volumenwelle mit 8,05, die hauptsächlich durch die starke Abwärts-Candle vom 9.11.2007 bestimmt wird. Man beachte hierzu die Volumenspitze. Daraufhin kommt eine kleine Aufwärtsgegenbewegung mit einem Ord-Volumen von 5,69. Das ist ein erstes starkes Signal, dass die Abwärtsbewegung und damit der niedrige Preis neue Käufer anzieht. Die Aktie schafft dann trotzdem noch einmal ein neues Tief mit einem Ord-Volumen von 7,25. Im Prinzip ist dies eine starke Volumenwelle, die neues Abwärtspotential mitbringen kann. Die Antwort zeigen die Bullen. Die nächste Aufwärtswelle beträgt 6,94. Dieser Wert ist so hoch, dass man dies nicht als Konsolidierungswelle der 7,25-Welle deuten darf. Der Markt ist vorerst gedreht.

Bild 6: Long-Entry

Das Bild 6 zeigt das Grundprinzip für einen Long-Entry im Markt. Die Welle mit dem 20iger Ord-Volumen ist die Ausgangsbewegung. Das Top bildet die Widerstandslinie. Die nachfolgende Abwärtsbewegung sollte im Idealfall mindestens eine 50%ige Volumenminderung besitzen. Nach der 10er-Welle wird die Aufwärtsbewegung wieder fortgesetzt. Der Entry erfolgt, wenn ein Schlusskurs über dem Top der 20er-Welle geschafft wird. Die überschreitende Candle sollte dabei mindestens so viel Volumen haben, wie die Candle, die das Top bildete bei der 20er-Welle.

Bild 7: Long-Entry bei komplexer Konsolidierung

Die 50% Volumenminderung muss nicht zwingend als direkte Nachfolgewelle der 20er-Ausgangswelle erscheinen. Bild 7 zeigt, die 50%-Regel ist auch einsetzbar bei komplexen Konsolidierungen.

Bild 8: Short-Entry bei Fehlausbruch

Mit Hilfe der Volumen-Analyse lässt sich auch ein Fehlausbruch handeln. In dem Beispiel von Bild 8 ist wieder die 20er-Welle der Ausgangspunkt. Nachfolgend kommt eine 16er-Welle, die nur 20% kleiner ist. Dann kommt die extrem schwache 10er-Aufwärtswelle, die sogar die Widerstandslinie des Tops kurzfristig bricht. Bei einem so schwachen Überschreiten ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Kurse wieder zurückfallen. Sollte dies geschehen, dann sollte der Entry bei einem Schlusskurs unterhalb der Widerstandslinie des vergangenen Tops liegen.

6. Widerstands- und Unterstützungslinien auf Basis des Volumenprofils

Das Volumenprofil zeigt die Stärke der Widerstands- und Unterstützungszonen. Wer sich typische Chart-Analysen genauer anschaut, der wird feststellen, dass die meisten Analysten sehr subjektiv Widerstände und Unterstützungen in den Chart einzeichnen. Diese Willkür führt oft zu Widerstands- und Unterstützungslinien, die in der Realität ohne Bedeutung sind. Das Volumenprofil bietet einen praktikablen Ansatz, um mehr Objektivität in die Technische Analyse einzubringen.

Gerne sprechen Analysten von Widerstands- und Unterstützungslinien und geben entsprechende Preisgrenzen an. Diese Herangehensweise ist aber nicht ganz korrekt. In der Realität ist es so, dass es die exakten Preisgrenzen nicht gibt. Es sind immer nur Zonen, die Widerstände und Unterstützungen bilden können. Die Zone kann enger oder weiter sein, aber es bleibt eine Zone und kein absoluter Grenzwert.

Volumenprofil zeigt fairen Kurs

Moderne Chart-Programme bieten auf dem rechten oder linken Chart-Rand eine senkrechte Darstellung des aufaddierten Volumens. In Kombination mit der Preisskala entsteht daraus das „Volumenprofil“. Die Bezeichnung des Begriffs „Volumenprofil“ kann durchaus von Chart-Programm zu Chart-Programm variieren. Am häufigsten verwendet wird Volumenprofil, Value-at-Price oder auch „Market-Profile“.

Die ursprüngliche Idee des Volumenprofils stammte von Peter Steidlemayer. Seine Erfindung ist das „Market-Profile“. Das Market-Profile bezieht sich in erster Linie auf Intradaycharts und wurde ist als Handelsmarke geschützt.

Das Volumenprofil ist kein Indikator im typischen Sinn, bei dem Kauf- und Verkaufssignale direkt ablesbar sind. Es ist die grafische Aufbereitung von Angebot und Nachfrage, und jede spitzförmige Ausprägung des Volumenprofils zeigt den ehemaligen fairen Kurs im betrachteten Zeitabschnitt. Es gilt immer die Grundregel, dass ein Markt die Tendenz hat, um seinem fairen Kurs zu pendeln. Dies gilt auch bei einem Trend. Hierbei ist zu beachten, dass es in der Natur eines Trends liegt, den fairen Preis ständig in Trendrichtung zu verschieben.

Bild 9: Die Theorie des Volumenprofils

Das nachfolgende Beispiel zeigt das Volumenprofil im praktischen Einsatz. Je spitzer die Form des Profils ist, desto stärker ist seine Wirkung auf die Kurse. Folglich nimmt die Stärke der Widerstands- bzw. Unterstützungszone mit der „Verspitzung“ der Form zu.

Innerhalb eines breiten Volumenprofils entsteht eine Kurszone, die an den Rändern eine Überkauft- bzw. Überverkauftsituation erzeugt. In diesem Fall wird der Kurs im übertragenden Sinn in der Zone gebunden. Die Spitze des Volumenprofils zeigt früheren fairen Preis.


Bild 10: Der DAX im Wochen-Chart mit drei Beispielen des Volumenprofils

(1) Das obere Volumenprofil hat eine spitze Form, und deutet auf einen engen Kursbereich hin. Sollte der Kurs zukünftig von unten nach oben stoßen, dann wird die Profilspitze mit großer Wahrscheinlichkeit einen festen Widerstand bilden.

(2) Das zweite Beispiel zeigt eine breite Handelszone, in der sich der Kurs relativ frei bewegen kann. Richtungsprognosen sind quasi nicht möglich. Die Kurse neigen in ihrem Bewegungsmuster zur Zufälligkeit. Erst am Rand der Zone – also ungefähr an der Kante der oberen bzw. unteren Linie der grauen Preiszone – wird es interessant. Hier befindet sich der überkaufte bzw. der überverkaufte Kursbereich. Es lohnt sich oft, an der Oberkante Short und an der Unterkante Long zu gehen.

(3) Das dritte Beispiel deutet auf eine Unterstützung mit mittlerer Stärke hin. Sollte der Kurs nach unten fallen, dann zeigt die Spitze des Profils den Punkt der Unterstützung.

7. Fazit: Was Sie beachten sollten

Wie bei fast allen Indikatoren bedarf es einer gewissen Übung bei der Interpretation.
Genauso wie der Tischler mit seinen Werkzeugen Übung benötigt, so bedarf jeder Analytiker Training mit seinen technischen Tools.

Gegenüber den meisten anderen Indikatoren, die ein nachlaufendes Verhalten zeigen, erlauben die Volumenindikatoren eine vorausschauende Prognose.

Wenn man die Börse mit einem Auto vergleicht, dann kann das Auto hinauf und hinunter fahren. Das Auto benötigt jedoch immer Kraftstoff für die Bewegung. Das Volumen kann mit dem Kraftstoff verglichen werden, der einen Motor antreibt. Wenn der Kraftstoff ausgeht, dann wird garantiert auch das Auto stehen bleiben.