Richard D. Wyckoff – eine prägende Persönlichkeit

Richard D. Wyckoff, ein Titan der ersten Börsenjahrzehnte. Viele seiner Erkenntnisse sind heute Allgemeinwissen der Technische Analyse und so aktuell, als wären seine Thesen erst “gestern” entwickelt worden.

Wer sich mit der Technischen Analyse tiefer auseinandersetzt, der wird immer wieder auf Personen stoßen, die im gewissen Sinn die Urheber besonderer Ideen sind. Die modernen Analyseansätze sind in der Folge nur die Abwandlungen und Weiterentwicklungen der Ursprungsideen. In den ersten Dekaden des 19ten Jahrhunderts waren die folgenden Männer maßgebend:

Charles Henry Dow (1851-1902)
Er gründete mit Edward Jones wahrscheinlich den ersten Börsenbrief (Customer Afternoon Letter) aus dem später das Wall Street Journal entstand. Die Ideen wurden später als die “Dow-Theorie” weltweit bekannt, und sind bis heute die Basis aller Trendanalysen. Dow gilt als der Erfinder des Point&Figure Charts.

William D. Gann (1878-1955)
Gann war ein Trader, der mit völlig neuen Ansätzen ein großes Vermögen verdient hat. Er brachte eine eigene Marktgeometrie und astrologische Analysen in die Technische Analyse. Bis zum heutigen Tage sind allerdings seine Theorien umstritten.

Ralph N. Elliott (1871-1948)
Ein Buchhalter, der mit seiner berühmten Wellenzählung ein völlig eigenständiges Prognosesystem aufgestellt hat. Die Elliottwave-Theorie ist bis zum heutigen Tage auf der ganzen Welt verbreitet und erzeugt immer neue Anhänger.

Richard D. Wyckoff (1873-1934)
Wyckoff ist wahrscheinlich nicht der Erfinder der Volumen-Analyse, aber er war die treibende Kraft dahinter. Er machte deutlich, dass das Preisverhalten einer Aktie zum aufgewendeten Handelsvolumen eine Schlüsselkomponente für den weiteren Kursverlauf ist. Zu seiner Zeit war er eine Autorität an den Finanzmärkten und war der Gründer des Magazine of Wall Street.

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Foto: Richard D. Wyckoff

Jede dieser genannten Persönlichkeiten muss man seine Anerkennung entgegen bringen, da sie ihre Zeit geprägt haben, und ihre Ideen bis zum heutigen Tage immer noch wirken. Sie sind die Wurzeln unserer modernen Technische Analyse.

Aus den genannten Männer möchte ich Ihnen die Ideen von Richard D. Wyckoff näher bringen. Nicht weil er der beste oder erfolgreichste Trader gewesen war, sondern weil sein Ansatz der flexibelste ist.
Seine Ideen drehen sich prinzipiell nur um das Grundgesetz des Marktes: Angebot- und-Nachfrage. Man könnte vielleicht sogar behaupten, dass für ihn die Methode nur sekundär war, solange sie ihm nur einen gewissen Einblick in die Angebot- und Nachfragestruktur verschafft hätte.

Viele seiner Regeln sind zum Allgemeingut der Technische Analyse geworden. Zur großen Berühmtheit gelangte Wyckoff durch präzise Voraussagen des Aktienmarktes. Sein Newsletter “Magazine of Wall Street” erreichte die sagenhafte Größe von 200000 Abonnenten, was sogar in der heutigen Zeit eine gewaltige Größe ist. Im Jahr 1929 ging es ihm gesundheitlich nicht besonders gut, so dass er sich eine Auszeit an der französischen Riviera nahm. Zu dieser Zeit beobachte er den Aktienmarkt weiter und bemerkte den riskanten Marktzustand vor dem Crash am 24.10.1929. Er beendete seine Genesungszeit und fuhr zurück nach Amerika, um seine Freunde und Kunden zu warnen.

Wyckoff analysierte die Techniken der erfolgreichen Trader seiner Zeit und entwickelte aus seinen gewonnenen Erkenntnissen seine eigenen Methoden.
Die größte Popularität erzielte dabei die Analyse von Preis und Volumen; insbesondere die Zwischenbeziehungen daraus, und wie Angebot und Nachfrage beeinflusst werden.

Sein berühmtestes Buch ist “Studies in Tape Reading”. Der Autor des Buches ist Rollo Tape. Diesen Namen benutzte Wyckoff als Pseudonym. Später wurde das Buch neu formatiert und optisch aufbereitet. Es erschien dann unter den Namen “The Day Trader´s Bible – Or My Secrets of Day Trading In Stocks”. Aber diesmal mit seinem korrekten Namen.
Wer sich näher mit diesem Buch beschäftigen möchte, der kann im Internet relativ einfach eine PDF-Version suchen und downloaden.
Ein reines Online-Exemplar gibt es auf der Internetseite:
http://www.tradingfives.com/wyckoff/chapter1.htm

Wyckoff startete seine Berufslaufbahn mit 15 Jahren als Laufbursche bei einem Aktien-Broker. Im Alter von 25 gründete er seine eigene Broker-Firma. Besonders in dieser Zeit hatte er einen genauen Einblick in die Verhaltensweisen der großen Spekulanten. Er studierte deren Manipulationen und gewann tiefe Erkenntnisse, wie die “Fußspuren” der großen Player auf einem Kursticker-Tape zu erkennen sind. Wyckoff deckte die Zusammenhänge auf, wie das Kursverhalten mit relativ niedrigen und hohen Volumen zu Richtungswechseln führt.
Viele seiner Prinzipien sind heute Allgemeinwissen der Technische Analyse. Insbesondere das Nutzen von Balken-Charts machte er einem breiten Börsenpublikum bekannt. Aber auch die Tatsache der Akkumulation bzw. Distribution von Aktien in Konsolidierungsphasen eines Marktes beruht auf seinen Grundannahmen. Selbst das Setzen von Stopkursen verfestigte er in den Köpfen der Börsianer.
In seiner populärsten Phase seiner Karriere hatte er einen gewissen Prophetenstatus aufgebaut, der auf großen Börsenerfolg beruhte.

Es sprengt den Rahmen dieses Beitrags, wenn man genau auf die einzelnen Methoden Wyckoffs eingehen würde, aber nachfolgend sind einmal die wesentlichen Richtlinien seiner Methoden aufgestellt:

Zwei Grundziele beim Trading:
1. Konsistente kleine Gewinne sind besser, als große Gewinne und Verluste.
2. Oberstes Ziel bleibt der Kapitalerhalt. Man darf niemals ohne Stops arbeiten.

Wyckoff definierte drei Marktgesetze:
1. Der Markt wird getrieben von Angebot und Nachfrage.
2. Die Ursache und Wirkung von Kaufen und Verkaufen beeinflusst
Angebot und Nachfrage. Kurse sind nicht zufällig, sondern das Ergebnis
der Überlegungen der Marktteilnehmer.
3. Der Aufwand (Volumen) und das Ergebnis (Preisveränderung) lassen Prognosen auf die Verschiebung von Angebot und Nachfrage zu.

Wyckoffs Handelsmethode ist mit fünf Schritten definierbar:
1. Bestimme den Trend und die momentane Marktlage im Trend
2. Bestimme die Aktien, die eine relative Stärke (beim Longtrade) zum Gesamtmarkt zeigen. Beim Short-Trade ist die relative Schwäche wichtig.
3. Wähle die Aktien heraus, die unter einer Akkumulation bzw. unter Distribution stehen. Dies ist meist in Chart-Mustern der Fall, z.B. Flaggen, Wimpel, Handelsspannen usw.
4. Bestimme die Bereitschaft zur Bewegung der Aktie, wenn sie auf eine(n) Widerstand/Unterstützung trifft oder aus einen Chart-Muster austritt. Das Verhältnis von Preisveränderung zum aufgewendeten Volumen gibt die Hinweise dazu.
5. Auswahl des Zeitpunktes zum Einstieg und setzen eines Stops nach dem Einstieg.

In diesem Beitrag habe ich versucht, einen groben Überblick über die Wyckoff-Methoden zu geben. Vieles mag Ihnen vielleicht als selbstverständlich erscheinen. Aber man muss einfach den geistigen Fortschritt Wyckoffs würdigen, der zu diesem frühen Zeitpunkt der Technische Analyse, mit seiner Systematik anderen Tradern weit voraus war. Nach eigener Aussage Wyckoffs hat er selbst an der Börse viele Millionen Dollar verdient. Sein Börsenbrief hat aus vielen seiner Leser reiche Leute gemacht.

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