Money Management – Das Maximieren der Gewinne

Optimal f – ist eine Idee des Mathematikers und Traders Ralph Vince. Das f steht für „fraction“ und ist der Anteil vom Depot. Das Ziel ist die Maximierung der Performance, ohne einen Totalverlust zu riskieren. Optimal f ist keine Formel, die sich für das allgemeine Investment in Aktien oder anderen Anlageprodukten eignet. Es geht hier ausschließlich um Trading mit Hebelprodukten, wie zum Beispiel Futures, Optionen und sonstige Derivate.

Bei einem Depot, das für gehebelte Produkte eingesetzt wird, ist es so, dass durch den Hebel mehr Kapital zur Verfügung steht, als das Depot nominell wert ist. Der Trader kauft also nicht die Aktie direkt an der Börse, sondern er kauft ein Derivat und sorgt dafür, dass sein Cash-Vermögen ausreichend groß ist, um mögliche Verluste zu decken.

Exponentielle Performance

Mit Optimal f errechnet sich der optimale Prozentsatz des Kapitals, der für einen Trade eingesetzt werden könnte. Es setzt damit voraus, dass der Trader seine Systemkennzahlen genau kennt. Sie sind die Basis für die Berechnung mit der Formel Optimal f. Bei der Anwendung der Formel gibt es einen unglaublichen Effekt, denn es setzt ein exponentielles Gewinnwachstum durch die Reinvestition der Gewinne ein. 1987 schaffte es zum Beispiel Larry Williams in einem Trading-Wettbewerb (Robbins) seinen Kontostand von ursprünglich 10.000 $ nach einem Jahr auf 1,1 Millionen $ hoch zu traden. Es war ein Rekord, der nie wieder annähernd bei diesem jährlich stattfindenden Wettbewerb erzielt wurde.

Ursprung von Optimal f

Ralph Vince entwickelte sein Optimal f auf Basis der Formel von John Kelly (Kelly-Formel) und diese wurde schon 1956 entwickelt. Die Kelly Formel ist praktisch die Grundlage des Money-Managements fast aller professionellen Anleger. Es geht bei der Kelly-Formel um die Wahrscheinlichkeit, einen Totalverlust auszuschalten. Deshalb gibt es bei vielen veröffentlichten Handelssystemen die zusätzliche Anmerkung, nur einen begrenzten Betrag des Depots ins Risiko zu gehen. Bei Trendfolgesystemen liegt der Risikoanteil meist bei ca. 1%. Beispiel: Hat der Anleger eine Kontogröße von 100.000 €, dann darf er bei einer einzelnen Aktienanlage nur 1000 € verlieren. Dementsprechend muss der Anleger seine Position mit einem Stopp-System ausstatten.

 

So sieht die Umsetzung mit der Formel Optimal f aus

Optimal f = ( (B+1) x P-1 ) / B

B = Verhältnis vom durchschnittlichen Gewinn zum Verlust (bei einem Handelssystem ist es die Payoff-Ratio und bei einem einzelnen Trade wäre es das Chance-Risiko-Verhältnis)

P = Wahrscheinlichkeit für einen Gewinn (bei einem Handelssystem ist es die Trefferquote)

Ein praktisches Beispiel: Ein Handelssystem hat eine Trefferquote von 60% und eine Payoff-Ratio von 1,2

Opf f = ( (1,2+1) x 0,6-1) / 1,2

Opt f = 0,27

Ausgehend von Optimal f sollte man 27 % seines Kapitals für die Position einsetzen.

 

Gehen wir von einem Future-Handel aus, dann ergibt sich folgende Kontrakt-Anzahl:

Das Kapital beträgt 100.000 € und somit werden 27 % (= 27.000 €) eingesetzt.

Die Margin wird von der Terminbörse vorgegeben und sie könnte zum Beispiel 4000 € pro Kontrakt sein.

Mit dem oberen Zahlen Beispiel ergibt sich die Rechnung 27.000 / 4000 = 6,75

Abgerundet dürften dann maximal 6 Kontrakte für einen Trade eingesetzt werden.

 

Das gilt es bei der Anwendung zu beachten

Um die Performance des Depots zu optimieren, muss die Kontraktzahl immer vom zur Verfügung stehenden Kapital angepasst werden. Steigt der Depotwert aufgrund der Gewinne an, dann wird sich im zunehmenden Maße die Kontraktzahl erhöhen – bei Depotverlusten entsprechend vermindern.

Die Berechnung von Optimal f geht von konstanten Systemdaten aus. Leider entspricht das nicht der Realität, denn ein Handelssystem funktioniert manchmal besser und manchmal schlechter. Die Systemdaten sind immer nur Daten aus einem längeren Handelszeitraum. Innerhalb des Zeitraums gibt es oft starke Systemabweichungen.

Optimal f geht davon aus, dass ein Handelssystem einen positiven Erwartungswert beinhaltet, mit anderen Worten, das es profitabel ist. Wenn nun das Handelssystem im praktischen Handel in eine Verlustphase kommt, dann ist der Drawdown des Kapitals oft beträchtlich. Als Trader sollte man also wissen, dass Optimal f nicht nur die Gewinne maximiert – die Maximierung von Verlusten ist auch möglich. Dementsprechend stark muss das Nervenkostüm des Traders sein, wenn er sich auf Optimal f einlässt.

 

 

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